Erdzeremonie 2026: Das EarthNest als Ort gelebter Erinnerung

Erdzeremonie 2026: Das EarthNest als Ort gelebter Erinnerung

Am 28. Mai 2026 kamen zahlreiche Besucher*innen im Berlin Global Village zusammen, um die jährliche Erdzeremonie am EarthNest zu feiern. Das Dekoloniale Denkzeichen vor dem Berlin Global Village ist kein statisches Denkmal, sondern ein lebendiger Ort des Erinnerns, der mit jeder Zeremonie weiter belebt wird. Durch das Einbringen von Erden aus ehemals kolonisierten Gebieten entsteht  ein kollektiver Erinnerungsraum, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verknüpft.

 

Im Laufe des Abends tauchte immer wieder die Frage auf, wie Erfahrungen und Erinnerungen über Generationen hinweg bewahrt und miteinander verbunden werden können. 

 

Nach der Begrüßung durch Armin Massing, Geschäftsführer des Berlin Global Village, eröffnete Jeanne Nzakizabandi, Kuratorin und Referentin für Programmarbeit, den Abend. Sie würdigte insbesondere die poetische Intervention „There is a Table in This House“ von hn.lyonga, die sie immer wieder berühre, weil sie einen Raum für Intimität, Fürsorge und kollektive Reflexion schaffe. Nzakizabandi hob außerdem die Kraft der Ausstellung Gathering Otherwise hervor, die aus einem Open Call für Kreative rund um das EarthNest hervorgegangen ist.

 

Kunst, Aktivismus und Zivilgesellschaft im Dialog
Der Roundtable „The Nest We Share“ brachte mit Jeremiah Ikongio, Maimouna Ouattara und Billy Fowo Perspektiven aus Kunst, Aktivismus und Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie diese unterschiedlichen Handlungsfelder voneinander lernen und sich gegenseitig stärken können.

 

Billy Fowo, Kurator und Schriftsteller bei SAVVY Contemporary, sprach über seine Arbeit am Sonic Memorial des EarthNest. Besonders bewegend sei für ihn ein Interview gewesen, in der ein älterer Mann die Geschichte seiner Großmutter teilt. Solche mündlich überlieferten Erinnerungen seien von unschätzbarem Wert und fänden im EarthNest einen Ort, an dem sie bewahrt und weiter getragen werden können. (Die Audioerzählungen sind online auf der Webseite des Denkzeichens zugänglich)

 

Jeremiah Ikongio betonte, dass Kunst und Politik für viele Künstler*innen afrikanischer Herkunft nicht voneinander zu trennen seien: „Unsere Realität ist politisch. Unsere Existenz ist politisch.“ Kunst könne dabei nicht nur gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar machen, sondern auch dazu beitragen, sie zu verändern.

 

Ein Tisch als Ort der Begegnung
Mit der poetischen Intervention „There is a Table in This House“ schuf hn.lyonga einen Raum des gemeinsamen Innehaltens. Ausgehend von lyongas Praxis des „Neighbouring“ lud lyonga das Publikum ein, im Moment anzukommen und Verantwortung füreinander zu übernehmen.

 

Die Performance thematisierte Traumata, Ausgrenzung, aber die Kraft der Gemeinschaft.  lyonga fragt danach, was es bedeutet, wirklich Nachbar*in zu sein: hinzusehen, füreinander da zu sein und Einsamkeit nicht nur als individuelle, sondern als gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.

 

Erdgeschichten aus Madagaskar, Namibia und Brasilien
Den Höhepunkt des Abends bildete die Erdzeremonie selbst. MFA Kera, Israel Kaunatjike und Jeannette Ehlers teilten die Geschichten der mitgebrachten Erden aus Madagaska, Namibia und Brasilien und thematisierten deren persönlichen, historischen und politischen Bedeutungen. Anschließend wurden die Erden feierlich in die Tonkrüge des Denkzeichens eingebracht. 

 

Gathering Otherwise: Diasporische Verbindungen
Begleitet wurde die Erdzeremonie von der Vernissage der Gruppenausstellung „Gathering Otherwise: Diasporische Verbindungen“. Die Arbeiten von Soukaina El Adak, Martha Díaz Adam, Juan Camilo Alfonso und Ọládayọ̀ Thomas beschäftigen sich mit Fragen von Zugehörigkeit, Migration und diasporischen Identitäten. In Malerei, Fotografie, Textil- und Mixed-Media-Arbeiten eröffnen sie neue Räume für Begegnung und Austausch.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Juli 2026 im Berlin Global Village zu sehen.

 

Ausblick auf die Erdzeremonie 2027
Das EarthNest wächst weiter. Auch im kommenden Jahr wird wieder eine Erdzeremonie stattfinden. Menschen aus der Diaspora, die Erde aus ehemals kolonisierten Gebieten und die dazugehörigen Geschichten teilen möchten, sind herzlich eingeladen, Teil dieses fortlaufenden Erinnerungsprozesses zu werden.

 

Denn jede neue Erde macht sichtbar, dass die Erinnerung nicht abgeschlossen ist.

 

📸 Foto-Credits: A'ja Dotson 
 

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