Nachhaltigkeit

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Gemeinsam mit Engagement Global und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gestaltet Berlin Global Village eine Kampagne zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung – die SDGs (Sustainable Development Goals). 17 Bierdeckel mit jeweils einem Ziel auf Berlinerisch sind ab Ende August im Umlauf. Die Ziele findet ihr hier.

Doch was sind die SDGs?

SDGs_BGV2018 from Berlin Global Village on Vimeo.

 

Der Prozess

Bei der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung (Rio+20) im Juni 2012 griffen die Regierungen die Kritik am begrenzten Fokus der MDGs auf und beschlossen, umfassendere Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zu formulieren. Diese Ziele sollten (wie schon die Agenda 21) alle Dimensionen nachhaltiger Entwicklung berücksichtigen und auf alle Länder der Welt anwendbar sein. Diese Entscheidung war bemerkenswert, denn sie implizierte, dass die neue Entwicklungsagenda sich nicht allein an die armen Länder des Südens richtete, wie es die MDGs faktisch taten, sondern für alle Länder der Welt Gültigkeit besitzen sollte. Dies kam einem Paradigmenwechsel gleich, der angesichts der notwendigen „großen Transformation“ hin zu einem zukunftsgerechten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem faktisch alle Länder der Welt zu „Entwicklungsländern“ machte.

Das Ergebnis

Das  Ergebnis  des  dreijährigen  Diskussions-  und  Verhandlungsprozesses  ist  ein  rund  30-seitiges  Dokument  mit  dem  Titel  Transformation  unserer Welt:  Die  2030-Agenda  für  nachhaltige  Entwicklung. Es  ist  weit  mehr  als  nur  ein  Katalog  neuer  Entwicklungsziele,  sondern  umfasst  neben  einer  Präambel vier Teile:

»Deklaration der Staats- und Regierungschefs
»Ziele und Zielvorgaben für nachhaltige Entwicklung
»Mittel zur Umsetzung und globale Partnerschaft
»Follow-up und Überprüfung

Die Präambel steckt die Themenbereiche der 2030-Agenda ab und fasst sie unter fünf Schlagworten (den fünf P’s) zusammen: People – Planet – Prosperity – Peace – Partnership. Damit betonen die Regierungen, dass die neue Agenda die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung sowie die Bereiche Frieden und internationale Zusammenarbeit umfasst und damit weit über die bisherigen MDGs hinausreicht.

Umsetzung

Die neue Entwicklungsagenda befasst sich gleich in dreifacher Weise mit den Mitteln zur Umsetzung der SDGs. Erstens enthält der SDG-Katalog das eigenständige Ziel 17 („Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige  Entwicklung  mit  neuem  Leben  erfüllen“)  mit  19  Unterzielen  zu den  Bereichen  Finanzierung,  Technologie,  Capacity  Building,  Handel, Kohärenz,  Multi-Akteur-Partnerschaften,  sowie  Daten,  Überwachung und Rechenschaftspflicht.

Zweitens listet auch jedes der übrigen 16 SDGs mehr oder weniger allgemein  formulierte  Maßnahmen  auf,  die  zur  Umsetzung  des  jeweiligen  Zieles  nötig  sind.  Zu  den  insgesamt  43  Zielvorgaben  zählen  z.B. die  „Abschaffung  aller  Formen  von  Agrarexportsubventionen  und  aller  Exportmaßnahmen  mit  gleicher  Wirkung“  (SDG  2.b)  sowie  die Rationalisierung der „ineffizienten Subventionierung fossiler Brennstoffe, die zu verschwenderischem Verbrauch verleitet“ (SDG 12.c).

Drittens  enthält  die  2030-Agenda  ein  eigenes  Kapitel  zum  Thema „Umsetzungsmittel und Globale Partnerschaft.“ Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine knappe Zusammenfassung der Aktionsagenda von Addis Abeba.

Was heißt das für Deutschland

Grundsätzlich sind alle 17 SDGs und die Mehrzahl der 169 Zielvorgaben auch  für  Deutschland  gültig.  Die  Herausforderung  bei  der  nationalen  Umsetzung  der  SDGs  besteht darin,  diejenigen  Zielvorgaben  zu  bestimmen,  die  in  besonderer  Weise als Wegweiser für die zukunftsgerechte Entwicklung Deutschlands dienen können, ohne dabei die Umsetzung aller Ziele aus dem Auge zu verlieren. Grundsätzlich  lassen  sich  die  Zielvorgaben  und  Indikatoren,  die  für Deutschland relevant sind, zu drei Bereichen zusammenfassen.

Erstens  Zielvorgaben  und  Indikatoren,  die  primär  die  interne  Situation Deutschlands  betreffen,  aber  universelle  Gültigkeit  besitzen  und  deshalb  zu  den  Kernanliegen  einer  jeden  Regierung  gehören  sollten,  egal ob reich oder arm. Hierzu gehören zum Beispiel die Ziele, die sich aus den  menschenrechtlichen  Verpflichtungen  ableiten,  insbesondere  den wirtschaftlichen   sozialen   und   kulturellen   Menschenrechten   (WSK-Rechte),  aber  auch  den  Frauenrechten  und  den  Rechten  von  Kindern und Jugendlichen.  Dies  betrifft etwa  die  Bereiche  Bildung,  Gesundheit und soziale  Sicherung.  Auch  die  eher  klassischen  Entwicklungsziele, die schon Teil des MDG-Katalogs waren, können Zielvorgaben enthalten, die sich an die deutsche Innenpolitik richten. Dies gilt beispielsweise für die Reduzierung der Anzahl der Armen in Deutschland oder die Verringerung des Anteils der Jugendlichen ohne Schulabschluss.

Zweitens Zielvorgaben und Indikatoren, die zwar Maßnahmen der deutschen Innenpolitik erfordern, deren Verwirklichung aber auch unmittelbare Auswirkungen auf Menschen in anderen Ländern hat, das heißt Ziele mit  externen  Effekten.  Hierzu  zählen  Ziele  zum  Ressourcenverbrauch, zu   bestimmten   Konsum-   und   Produktionsmustern,   zum   Ausstoß von  Treibhausgasen,  aber  auch  zum  Umgang  mit  Migrantinnen  und Migranten.

Drittens    Zielvorgaben    und    Indikatoren,    die    die    internationale  Verantwortung  Deutschlands  betreffen.  Gemäß  dem  Prinzip  der  gemeinsamen  aber  unterschiedlichen  Verantwortung  der  Länder  sind  die reichen Länder in besonderem Maße gefordert, die finanziellen und regulatorischen Mittel zur Umsetzung der SDGs bereitzustellen. Dies gilt auch  für  Deutschland.  Die  entsprechenden  Zielvorgaben  betreffen  neben den klassischen entwicklungspolitischen Verpflichtungen (Stichwort 0,7-Prozentziel)    alle    Bereiche    globaler    Strukturpolitik    (Handel, Investitionen, Finanzsysteme usw.).

QUELLE:
Die 2030-Agenda
Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung

Autoren: Jens Martens und Wolfgang Obenland
Herausgeber: Global Policy Forum und terre des hommes